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Und plötzlich
splittert die Nase ab
Nicht oft, aber immer mal
wieder kommt Elke Uhlig an
einen Punkt, an dem sie sich
fragt: „Wie geht’s jetzt weiter?“
Und dann ist es gut, wenn sie
den Meister zu Hilfe rufen kann:
„Darko, ich bräuchte dich mal.“
Für die meisten der Teilnehmer,
die zu dem viertägigen Workshop
nach Zaberfeld gekommen sind,
ist die Bildhauerei etwas Neues.
Kursleiter Darko Gol vermittelt
Grundkenntnisse in der
Steinbearbeitung, gibt
Anregungen zur Gestaltung,
zeigt Kniffe, wie Knüpfel und Meißel
geschickt geführt werden. „Ich lenk’
sie ein bisschen“, sagt der
54-Jährige über seine Schüler –
und lässt ihnen zugleich viel Freiheit.
Bei der Auswahl des Rohlings etwa
redet er nicht rein, da kommt es nur auf das persönliche
Empfinden an. „Jeder sieht etwas anderes in dem Stein“, sagt Gol. Er ist überzeugt, dass bei der
anschließenden Arbeit „das zum Vorschein kommt, was die Leute beschäftigt“. Und da dürfen ruhig
auch Sachen entstehen, die nicht der Logik entsprechen. Wenn da mal eine Brust, entgegen den
Gesetzen der Schwerkraft, nach oben zeigt – warum auch nicht?
Gearbeitet wird mit Sandstein. Der ist nicht nur das heimische Gestein, er ist auch relativ weich
und eigne sich damit für Anfänger gut. Was nicht heißt, dass die Bearbeitung leicht fällt. „Ich
dachte, ich forme den Stein, und dann habe ich gemerkt, der Stein formt mich“, sagt Elke Uhlig.
Am zweiten Tag, mitten in der Arbeit an einem großen Kopf, ist die Nase abgesplittert.
Die 59-jährige Pforzheimerin ist zu der Erkenntnis gelangt: „Ich denke, man muss erst mal
mit dem Stein reden.“
Annegret Doll geht nüchterner an die Sache heran. „Ich seh’s eher handwerklich“, sagt die
Lehrerin aus Eibensbach, die Kunst studiert hat. Sie wollte sich schon lange mal intensiver
mit der Steinbildhauerei beschäftigen. Jetzt ist sie dabei, einen Widderkopf („zwischendurch
war’s mal ein Drache“) zu bearbeiten. Sie kommt gut zurecht, schafft es, die Maserung im Stein
sauber herauszuarbeiten: „Darko hat mir ein paar Tricks gezeigt.“
Michael Hecht und Ute Knollmeier sind aus Pforzheim gekommen. „Richtig toll“ findet der
EDV-Berater den Kurs, mit dem er absolutes Neuland betritt. Auch wenn aus seiner Teufelsfratze
eher „eine Art männliche Fee“ geworden sei, sagt er schmunzelnd. Gerade bearbeitet er ganz
vorsichtig die Augenlider. Am dritten Kurstag traut sich der 45-Jährige auch Filigranes zu.
Seine Freundin arbeitet derweil an einem Frauenkörper, der auf einem Stein liegt. Dass Ute
Knollmeier Begabung mitbringt, zeigt sich auch an ihrem ersten Werkstück, einem gestalteten,
teilweise sehr glatt geschliffenen Stein, in den sie ein kreisrundes Loch gebohrt hat.
„Energiekanal“ hat sie das Werk getauft hat. „Den Fluss des Lebens“ hatte sie dabei im Sinn.
Einen sehr großen Stein hat Bärbel Maier gewählt. „Der kostet Kraft“, sagt die Eibensbacherin.
Sie musste sich erst trauen, „mit Schmackes“ ranzugehen. Doch jetzt nimmt ihre Figur, angelehnt
an eine Nana, sichtlich Gestalt an. „Das wird, wie ich es will“, ist die 53-jährige Pharmazeutisch-
Technische Assistentin zufrieden.
Auch „das Zwischenmenschliche“ (Gol) stimmt. Die Kursteilnehmer verstehen sich gut, reden viel
miteinander, begutachten ihre Arbeiten. „In der Gruppe“, sagt Elke Uhlig, „macht so was
einfach Spaß.“
Thomas Dorn | Heilbronner Stimme | 10.09.2008 |
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